Schwangerschaft & Baby

Hebammenkreißsaal im Diako Dresden

PR · 08.12.2023

Seit einigen Jahren gibt es einen Trend zur selbstbestimmten Geburt – mit wenig medizinischen Eingriffen und intensiver Hebammenbegleitung. Genau das wird im Diakonissenkrankenhaus Dresden erstmalig geburtshilfliche Realität. Im neuen Hebammenkreißsaal am Diako unterstützen Hebammen Gebärende ohne Risikofaktoren bei einer selbstbestimmten, interventionsarmen Geburt – auf Wunsch ohne Anwesenheit einer Ärzt:in.

Warum führt das Diako einen Hebammenkreißsaal ein?

Wir kommen damit zum einen dem Wunsch einiger von uns betreuter Schwangeren nach, die eine hebammenbegleitete Geburt ohne Arztanwesenheit, aber mit der Sicherheit eines klinischen Settings im Hintergrund wünschen. Zum anderen setzen wir das Projekt aus Überzeugung für eine gute Geburtshilfe um. Schlüsselwörter dabei sind Eins-zu-eins-Betreuung, Wahlfreiheit für werdende Eltern, die Förderung natürlicher Geburten und evidenzbasiertes Arbeiten. Das Betreuungskonzept eines Hebammenkreißsaals bietet sowohl für Frauen als auch für das Klinikpersonal viele Vorteile.

Was ist eigentlich ein Hebammenkreißsaal?

Der Hebammenkreißsaal ist ein von Hebammen geleitetes Betreuungsmodell, in dem Hebammen Niedrigrisikogebärende eigenverantwortlich eins zu eins betreuen – vor, während und nach der Geburt. Mit diesem Angebot haben Frauen ohne erhöhtes Risiko die Wahlfreiheit zwischen einem interdisziplinären Kreißsaal (Hebamme und Ärzt:in) oder einem Hebammenkreißsaal. Der Fokus einer Geburt im Hebammenkreißsaal liegt darauf, eine frauenzentrierte und natürliche Geburtsumgebung zu schaffen.

Für welche Schwangeren ist die hebammengeleitete Geburt geeignet?

Ein festgelegter Kriterienkatalog regelt den Ein- und Ausschluss, sodass lediglich „Low-Risk-Frauen“ selbstständig und eigenverantwortlich durch die Hebammen begleitet werden können. Zwei verpflichtende Vorgespräche etwa in der 30. und 36. Schwangerschaftswoche bauen ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen den Familien und dem Hebammenteam auf. Gleichzeitig wird mehrmals geprüft, ob einer Geburt im Hebammenkreißsaal irgendetwas im Wege steht. Der Kriterienkatalog orientiert sich am Katalog des Mutterpasses. Unsere Geburtshilfe am Diako konnte individuelle Feinabstimmungen vornehmen. Jedoch geben sowohl der deutsche Hebammenverband als auch der Verbund Hebammenkreißsaal einen Katalog vor, der als maßgebliche Orientierung dient.

Was macht eine Geburt in unserem Hebammenkreißsaal aus?

Der Fokus liegt auf einer individuellen, selbst- und mitbestimmten Geburt, bei der wir weitgehend auf Interventionen und starke Schmerzmittel verzichten. Stattdessen werden die Frauen in intimer Atmosphäre von mindestens einer Hebamme kontinuierlich begleitet. Zur Geburt sind sogar zwei Hebammen anwesend. Sie unterstützen und ermutigen die Frau einfühlsam, zum Beispiel aus eigener Kraft zu gebären und auf ihre Geburtskompetenz zu vertrauen. Im Falle einer Geburtsverletzung kann die Hebamme diese versorgen und nähen.

Leider ist der Begriff „Hebammenkreißsaal“ bis dato nicht geschützt. Letztendlich ist es unsere Eigenmotivation, das Konzept bis ins letzte Detail zu leben und den Hebammenkreißsaal in allen Nuancen ernst zu nehmen. Dazu gehört für uns zum Beispiel, dass die Hebammen den kompletten Betreuungsbogen von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett hinein begleiten. Vorgespräche in der Schwangerschaft, das Nähen von Geburtsverletzungen und das Führen des Abschlussgesprächs im Wochenbett sind für uns ebenfalls Teil dieser Betreuung. In dieser Hinsicht unterscheiden wir uns von einigen anderen Hebammenkreißsälen in Deutschland.

Wie sicher ist ein Hebammenkreißsaal?

Ein Hebammenkreißsaal ist genauso sicher wie ein herkömmlicher interprofessioneller Kreißsaal. Das belegen zahlreiche Studien. Im Falle einer Komplikation kann sofort und ohne zeitliche Verzögerung in die teamgeleitete Betreuung von Hebammen und Mediziner*innen übergeleitet werden. Der Hebammenkreißsaal ist als Betreuungskonzept in die Kreißsaal-Räumlichkeiten integriert. Es findet also in diesem Moment kein Wechsel des Personals oder des Raums statt. Durch die enge Verzahnung und die notwendige Abstimmung zwischen hebammengeleiteter Geburtshilfe und Facharztstandard wird sogar die Versorgungsqualität und damit die Sicherheit gesteigert.

Ersetzt der Hebammenkreißsaal den üblichen interprofessionellen Kreißsaal?

Der Hebammenkreißsaal stellt keine Alternative zum üblichen interprofessionellen Kreißsaal dar. Vielmehr erweitert er das bestehende Betreuungsangebot und bietet gesunden Frauen die Möglichkeit, zwischen beiden Modellen zu wählen. Es ist keinesfalls beabsichtigt, auf den interprofessionellen Kreißsaal zu verzichten. Tatsächlich liegt der Anteil gesunder Schwangerer mit unauffälligem Schwangerschaftsverlauf und Erwartung einer unkomplizierten Geburt in Deutschland bei etwa 20 Prozent. Somit wählen nach wie vor 80 bis 90 Prozent der Frauen den interprofessionellen Kreißsaal.


Welche Vorteile bietet der Hebammenkreißsaal?

Der Hebammenkreißsaal bietet sowohl für die Familien als auch für das geburtshilfliche Team diverse Vorteile. Frauen, die hier eine Geburt erlebt haben, bewerten ihr subjektives Geburtserleben als positiver. Statistische Auswertungen belegen zudem, dass gegenüber dem interprofessionellen Kreißsaal im Hebammenkreißsaal weniger Geburten vaginal-operativ beendet wurden, die PDA-Rate niedriger war und weniger Dammschnitte durchgeführt wurden. Geburtshilfliche Teams entwickeln und professionalisieren sich mit diesem Konzept weiter, unter anderem in Bereichen wie Beratung, Kommunikation, Schnittstellenmanagement, Anwendung von Komplementärmedizin oder Nahttechniken bei Geburtsverletzungen. Wir hoffen, mit unseren Hebammenkreißsaal einen attraktiveren und zukünftig wettbewerbsfähigen Arbeitsplatz für Hebammen zu schaffen, damit sie langfristig Freude an ihrer originären Hebammenarbeit haben.

Welche Voraussetzungen gibt es am Diako bereits?

Speziell am Diako waren die Voraussetzungen für dieses Projekt ideal. Wir verzeichnen ungefähr 1100 Geburten pro Jahr und verfügen über eine neonatologische Abteilung. Die Rate natürlicher Geburten ist bei uns sehr hoch. Statistisch gesehen finden die meisten Geburten bereits jetzt in aufrechter Gebärposition statt, und wir haben eine sehr niedrige Rate von Dammschnitten. Das eingespielte Team aus Hebammen und Ärzt*innen arbeitet bereits seit Jahren auf Augenhöhe zusammen und ist gut aufeinander eingespielt. Diese Basis ist unserer Meinung nach sehr wichtig für die Umsetzung eines solchen Betreuungsangebots. Mit unseren drei Kreißsälen und zwei Vorwehenzimmern sowie einem separaten Wannenraum verfügen wir über ausreichend Platz. Unsere Klinik ist zudem als babyfreundlich zertifiziert und passt daher ideal zu unserem Konzept, da hier die Bindung und Natürlichkeit an erster Stelle stehen.

Kategorien: Schwangerschaft & Baby

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