Schule und Bildung

Schulstart in der Pandemie

Anne Siedentopf · 19.05.2022

© Jörg Rofeld Picture-Factory - stock.adobe.com

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Heute vor einem Jahr habe ich für meine Tochter eine Zuckertüte bestellt und es für absurd gehalten, wenn andere Mütter dazu passende Masken kauften. Maskenpflicht als Alltag meiner Tochter im Schuljahr 2021/22? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Wir wissen alle, ich habe mich geirrt. Drei Mütter und ich haben letzten Sommer ihre Kinder eingeschult. Ich habe mit ihnen gesprochen auf der Suche nach verschiedenen Perspektiven auf diesen ungewöhnlichen Schulstart. Annas Kind besucht eine große Grundschule, Johannas Kind eine freie Grundschule und Sindys Kind eine kleine Dorfschule.

1. Herausforderung: Schuleinführung
Erst einmal habe ich den ganzen letzten Sommer über gezittert, ob die Schuleinführung überhaupt stattfindet. Auch Anna, Sindy und Johanna haben das. Wir hatten alle Glück! Unsere Kinder konnten ihre Schuleinführung feiern, niemand wurde krank. Meine Tochter hatte einen wunderbaren Tag mit Sonne, Gästen, einem Berg Zuckertüten und einer liebevoll gestalteten Veranstaltung in der Schule. Diese Erfahrung durften auch Sindys und Johannas Kinder machen. Anna hingegen berichtete: „Die Einschulung bei uns war nicht schön, es gab kaum Programm und es durften nur wir Eltern teilnehmen. Unser Sohn war traurig, weil nicht mal seine Schwester dabei sein durfte.“

2. Herausforderung: 1. Schultag
Kaum war fertig gefeiert, stieg bei uns das Aufregungslevel. Aufgrund der niedrigen Zahlen im Sommer kannte meine Tochter das Schulgebäude und ihren Lehrer durch einen Kennenlerntag bereits. Das erleichterte den Start. Auch Sindy berichtete mir, dass ihre Dorfschule und die junge einfühlsame Klassenlehrerin den Start für die Erstklässler:innen kindgerecht umsetzen konnte. Die große Grundschule in der Stadt, in welche Annas Sohn geht, war hingegen unflexibler. Anna berichtet von komplett fremden Bezugspersonen, fremden Räumen und dass die Kinder „auf dem Schulhof abgegeben werden mussten.“ Diese Umstände haben den Schulstart für ihren Sohn sehr erschwert, zumal die Kinder „ab der zweiten Woche perfekt sein und an alles selber denken mussten.“ Mit der Lehrerin war ein Kontakt leider auch nur über LernSax möglich.

3. Herausforderung: Einschränkungen
Der Herbst kam, die Zahlen stiegen. Immer mehr Vorgaben brachten Einschränkungen. In der Schule meiner Tochter wurden zuerst jahrgangsübergreifende Projekte gestrichen, dann immer mehr Angebote und Betreuungszeiten, da der Personalausfall zu starken Engpässen führte. Auch Sindy erzählte mir: „Bis in den Dezember hinein verlief bei uns alles reibungslos. Dann fielen die AGs aufgrund der Gruppentrennung weg. (…) Im Dezember übernahm die Hortnerin für drei Tage den Unterricht, weil die Klassenlehrerin Corona hatte. Danach ging die Klasse in die häusliche Lernzeit.“

4. Herausforderung: Home-Schooling
Als die Präsenzpflicht an den Schulen ausgesetzt wurde, überließ man den Eltern die Entscheidung zwischen Ansteckungsrisiko oder Überlastung. Eltern, wie Anna, mussten ihre Kinder wieder zuhause beim Lernen begleiten. Annas Sohn musste im Dezember ganze drei Wochen zuhause lernen. Dabei fühlte sich Anna ziemlich allein gelassen, da sie mit LernSax nicht vertraut war und zugleich unzählige Aufgaben eingestellt worden waren. Dass die Aufgaben von der Lehrerin nicht angeschaut worden sind, obwohl ihr Kind „alle Aufgaben echt toll gemacht hat,“ ist ihr in trauriger Erinnerung geblieben. Johanna und Sindy hingegen berichten von einer guten Kommunikation und Einweisung. Für sie verlief das Home-Schooling dadurch stressfreier.

Fazit
Je kommunikativer die Schulen aufgrund neuer Konzepte oder kleiner Größe sind, desto kindgerechter und entspannter kann auch in der Pandemie ein guter Schulstart gelingen.

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