Schule und Bildung

Sag mir, wo die Lehrer sind!

sh/as · 10.03.2023

Pexels auf Pixabay

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Deutschlandweit fehlen mehr als 12.000 Lehrkräfte!

Die gute Nachricht: In den zurückliegenden Schuljahren sind zumindest in Sachsen mehr Lehrkräfte eingestellt worden als altersbedingt ausgeschieden sind. Trotzdem klaffen große Lücken. Oder wie es das Kultusministerium ausdrückt: die Unterrichtsversorgung ist gesunken – besonders an den Ober- und Förderschulen. Um den Unterricht in allen Schularten vollständig abzusichern, müssten zusätzlich 1.220 Lehrkräfte in Vollzeit arbeiten. So wurden zum jetzigen Schuljahr 1.500 Lehrerstellen ausgeschrieben. Doch die Zahl der Bewerber fiel wohl deutlich geringer aus. Besonders prekär ist die Situation im ländlichen Raum. So kommen zum Beispiel in Ostsachsen auf 70 Bewerber 207 freie Stellen.

Aber warum gibt es zu wenig Lehrer:innen? Da ist zum einen die Teilzeitarbeit. Der Anteil der Lehrer:innen, die in Teilzeit arbeiten, liegt aktuell bei über 35 Prozent. Doch es gibt nicht nur mehr in Teilzeit arbeitende Lehrkräfte, sie arbeiten auch insgesamt weniger: Betrug die Teilzeitquote im Schuljahr 2021/2022 noch 92,1 Prozent, ist das Arbeitsvermögen je Lehrkraft im laufenden Schuljahr auf 87,6 Prozent gesunken. Dadurch sind rund 2.600 besetzte Stellen nicht unterrichtswirksam. Heißt, ist die Personaldecke dünn, kann bei Krankheit kaum Ersatz geschaffen werden. Der Unterricht fällt aus.

Ein weiterer Grund: es gibt einen deutlichen Zuwachs an Schülern. Insgesamt sprechen wir von einem Zuwachs von 13.000 Schüler:innen. Dass der Lehrerberuf in vielen Teilen als nicht attraktiv gilt, es an Wertschätzung fehlt und der Umgang zwischen Eltern, Schülern und Lehrern immer schwieriger zu werden scheint, ist ein eigenes Kapitel. „Für einen Mangel sucht man gern jemanden, dem man einen Vorwurf hierfür machen kann. Doch wem? Den Lehrer:innen, die familien- oder erschöpfungsbedingt in Teilzeit arbeiten möchten? Den Schülern, weil sie lernen möchten und fordernd sind? Den Eltern, denen wir die Schüler verdanken und die nun nicht genug Nachmittagsnachhilfe für die ausfallenden Stunden leisten können? Den Schulleitungen, weil sie die Löcher nicht magisch zu stopfen vermögen? Der Politik, die nicht vorausschauend gegensteuerte? Für Vorwürfe ist momentan einfach nicht der Zeitpunkt, es brennt und nun muss gelöscht, nicht gejammert werden. Doch dies schaffen nur alle zusammen an einem Tisch, kommunal, national, vor allem rational. Abstriche, Zugeständnissse, Experimente, manchmal auch mit kleinem Piks – Pragmatisch, Ideenreich, Korrigierend, Schnell. Einfach das, was Lehrer:innen ohnehin jeden Tag leisten, im Kollektiv, mit 28 Schüler*innen und deren sozialem Rucksack, der stets mit im Klassenzimmer sitzt.“ Susanne Heuer bringt es auf den Punkt. Die fünffache Mutter ist Mitglied im Elternrat und weiß, wo es brennt.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz hat Ende Januar 2023 den Bundesländern Empfehlungen zum kurzfristigen Umgang mit akutem Lehrermangel vorgelegt. Bei diesen Notmaßnahmen geht es um Reduzierung von Teilzeit, die Erhöhung der Unterrichtsstunden für Lehrkräfte oder größere Klassen. Mehr Hoffnung macht da der neue Rekordetat für das Kultusministerium, den der Landtag Ende 2022 beschlossen hat. Zehn Milliarden Euro sollen in Bildung investiert werden. „Mangel zieht eine Maßnahme nach sich, Ergänzen, Auffüllen, Ersetzen, auf jeden Fall Beheben. Nun sind uns die Lehrer:innen ausgegangen. So wie vor einiger Zeit noch das Toilettenpapier. Beides unbedingt notwendig, doch ihre immanente Bedeutung wurde uns erst durch den Mangel bewusst. Ich gebe zu, wenn ich die Wahl habe, verzichte ich lieber auf das Papier, denn leider können Lehrer:innen nicht einfach ersetzt oder schnell nachproduziert werden. Sie sind da eher wie natürliche Ressourcen, die wachsen und gedeihen müssen. Und mit denen man wertschätzend umgehen muss. Auch wenn unser gesellschaftlicher Umgang mit ihnen eher an das andere Beispiel erinnert,“ resümiert Susanne Heuer.

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