Schule und Bildung

Aufholen nach Corona

Gloria Wintermann · 25.11.2021

akkmesterke - stock.adobe.com

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Die Corona-Pandemie und Lockdown-Maßnahmen hatten den Schulbesuch 2020 und auch noch 2021 wochenlang unmöglich gemacht. Home-Schooling und Wechselunterricht standen auf der Tagesordnung. Neben digitalen Lehr- und Lernformen war ein immens hohes Maß an Eigeninitiative und Engagement von allen am Lernprozess Beteiligten gefordert. Doch: Schüler:innen haben unterschiedliche Bedürfnisse, Kenntnisse und Möglichkeiten. Tägliche Übungszeiten zum Wiederholen und Vertiefen des Unterrichtsstoffs fielen weg oder waren auf das Nötigste beschränkt. Austausch und Anwenden von Lehrstoff blieben auf der Strecke. Nicht jeder konnte Schritt halten und so waren Lernrückstände vorprogrammiert. Viel Unterrichtsstoff blieb schlichtweg unbehandelt.

Um die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche abzufedern, haben Bund und Länder das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ in Höhe von zwei Milliarden Euro ins Leben gerufen. Für Sachsen stehen daraus Mittel in Höhe von 47,5 Millionen Euro und Eigenmittel nochmal in gleicher Höhe zur Verfügung. Kind+Kegel sprach mit Birgit Willhöft, die die Servicestelle „Aufholen nach Corona“ am Landesamt für Schule und Bildung (LASUB) in Sachsen leitet. Sie und ihr Team beraten Schulen von der Ideenfindung bis zur Umsetzung.

Wie gut wird das Angebot „Aufholen nach Corona“ von den Schulen genutzt? Wie läuft das Bewerbungsverfahren dafür ab?

Das Programm wird sehr gut angenommen. Jede Schule kommt mit einer eigenen Idee, je nachdem, wo die größten Bildungslücken bestehen. Beantragt werden Mittel für Förder- und Nachhilfeangebote. Nach Bewilligung schließt die jeweilige Schule einen Dienstleistungsvertrag mit einem Bildungspartner ab. Dann kann es schon losgehen: das Angebot kann durchgeführt werden. Entweder ergänzend zum Unterricht oder als Teil des Unterrichts. Über das Schulportal erhalten Schulen in staatlicher Trägerschaft alle Informationen, die sie für das Programm benötigen. Für Schulen in freier Trägerschaft bedarf es nur eines formlosen Antrags.

Wo besteht aus Ihrer Sicht der größte Hilfebedarf an sächsischen Schulen?

Aufhol- und Förderbedarf besteht in allen klassischen Unterrichtsfächern, v.a. Mathe, Deutsch, Sachunterricht, Naturwissenschaften und besonders auch Fremdsprachen. Alle Schularten melden diesen Bedarf an. Das reicht von Grundschulen über Förderschulen bis hin zu Weiterführenden – und auch Berufsschulen.

Welche Hilfsangebote gibt es bzw. werden beantragt?

Viele Schulen haben Aktionen wie „Schüler helfen Schülern“ ins Leben gerufen. Gegen ein Honorar geben Schüler:innen anderen Schüler:innen Nachhilfeunterricht. Einige Schulen setzen auf angehende Lehrer:innen als wichtige Ressource. Hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit Nachhilfeinstituten und den Universitäten in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Bspw. in den Programmen „Fitmacher“ und „StartTraining“ gehen Lehramtsstudierende an Schulen und machen Schüler:innen fit in den Fächern, in denen sie studieren. Da profitieren gleich zwei Seiten, denn für die Studierenden ist der Nachhilfeunterricht gleich ein Praxistraining und die Schulen sind froh über die fachliche Unterstützung. Im Bereich Sprachen nutzen Schulen die Möglichkeit, zusätzlichen Unterricht durch Muttersprachler anzubieten. Oder im kulturellen Bereich werden gern Angebote von Theatern genutzt.

Was ist unter unterrichtsintegrierten Förder- und Nachhilfeangeboten konkret zu verstehen?

Hier kommen meist Lehramtsstudierende, Ergotherapeuten, Logopäden oder Lernbegleiter im Unterricht zum Einsatz. Es werden gezielt einzelne Kinder und Jugendliche gefördert, die sonst nicht erreicht werden. Bspw. werden geeignete Konzentrations- und Entspannungstechniken vermittelt und ausprobiert. Oder es werden Motivationsstrategien gezeigt, mit denen man Lernrückstände aufholen kann. Gerade an Berufsbildenden Schulen besteht ein hoher Bedarf, die Lernmotivation der Schüler:innen zu fördern.

Welche Rolle bildet der Schwerpunkt „Digitale Schule“?

Hier gibt es ebenfalls vielfältige Angebote, die gern genutzt werden. Bspw. digitale Bildungsdienstleister, die Online-Nachhilfe vermitteln. Gerade an Schulen im ländlichen Raum oder mit großem Einzugsgebiet und langen Anfahrtswegen ist dies eine große Bereicherung. Manche Schulen nutzen digitale Lehrbuchlizenzen und darauf abgestimmte Tutorien zum Üben und Vertiefen des Lehrstoffes. Um Schulen bei der Umsetzung von Förder- und Nachhilfeangeboten zu unterstützen, wurde im Landesamt für Schule und Bildung eine Servicestelle eingerichtet. Diese berät und unterstützt die Schulen bei der Organisation und finanziellen Abwicklung. Das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ wurde inzwischen bis zum Schuljahresende 2023 verlängert.

KONTAKT
Landesamt für Schule und Bildung Sachsen, Leiterin der Servicestelle „Aufholen nach Corona“ Frau Birgit Willhöft: Tel. 0371 / 5366-551,
E-Mail: LASUB-Servicestelle@lasub.smk.sachsen.de

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