Stillen in Chemnitz: Sichtbar statt versteckt
alle Bilder: Sachsen Fernsehen
Stillen soll im Alltag sichtbar werden
Stillen gehört für viele Familien ganz selbstverständlich zum Alltag. Trotzdem berichten Mütter davon, dass sie sich in der Öffentlichkeit beobachtet fühlen, negative Blicke erleben oder überlegen, wo sie ihr Kind möglichst unauffällig stillen können. Genau an diesem Punkt setzt die Aktion „Ich still, wo ich will“ an.
Fotografin Anika Krickl möchte mit Porträts stillender Frauen Sichtbarkeit schaffen. Die Bilder entstehen bewusst dort, wo sich das alltägliche Leben abspielt. Es gehe nicht darum zu provozieren, sondern zu zeigen, dass stillende Frauen im öffentlichen Raum selbstverständlich dazugehören.
Von einer Fotoidee zur größeren Aktion
Die Idee entstand Anfang 2025. Sigrid Böhm hatte beobachtet, dass sich Frauen beim Stillen in der Öffentlichkeit teilweise zurückziehen, weil sie Blicke oder Kommentare fürchten. Gemeinsam mit der Fotografin entwickelte sich daraus das Projekt.
Zusätzliche Aufmerksamkeit bekam das Thema nach einem Vorfall im Mai 2026. Nach Angaben der Initiatorinnen war eine stillende Frau in einem Einkaufszentrum in Saarbrücken weggeschickt worden. Andere Frauen solidarisierten sich daraufhin und ließen sich dort beim Stillen fotografieren. Der Hashtag „Ich still, wo ich will“ verbreitete sich anschließend auch in weiteren Städten.

Auch Chemnitzer Mütter kennen negative Blicke
In Chemnitz haben sich ebenfalls Frauen an der Fotoaktion beteiligt. Michelle Ludwig erzählt, dass sie bei ihren früheren Kindern kaum darüber nachgedacht habe, wo sie stillt. Erst die öffentliche Diskussion habe dazu geführt, dass sie sich plötzlich stärker umschaute und fragte, ob sie jemanden stören könnte.
Andere Teilnehmerinnen berichten ebenfalls von skeptischen oder ablehnenden Blicken. Gerade wenn ein Baby unruhig wird und gestillt werden möchte, bleibt jedoch nicht immer die Möglichkeit, erst einen abgeschiedenen Ort zu suchen.
Mehr Selbstverständlichkeit statt Rückzug
Die Aktion möchte stillende Frauen darin bestärken, selbst zu entscheiden, wann und wo sie ihr Kind versorgen. Gleichzeitig soll sie Menschen dazu anregen, die eigene Reaktion auf öffentliches Stillen zu hinterfragen.
Für Familien, die sich dabei noch unsicher fühlen, lautet die Botschaft der Beteiligten vor allem: Mit jeder Erfahrung kann mehr Sicherheit entstehen. Je selbstverständlicher Stillen im öffentlichen Raum wahrgenommen wird, desto weniger sollen sich Mütter gezwungen fühlen, sich mit ihrem Kind zurückzuziehen.
Redaktion Kind+Kegel · 18.08.2026
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