Essen gehen mit Kindern

Mit Kindern und viel Zeit ins zeitlos

Kathrin Muysers (km) · 02.02.2018

Kind + Kegel Familienfreundliche Restaurants
Diese Restaurants machen alles richtig: vom Hochstuhl bis zum Wickeltisch, von der Spielecke bis zum kindgerechten Essen

Mit Kindern essen gehen – ausgehen – ist ein Abenteuer. Restaurants sollen und wollen Orte der Entspannung sein, wo man sich verwöhnen lässt. Aber es sind eben auch Orte voller ungeschriebener Regeln, die einem vielleicht erst bewusst werden, wenn man merkt, wie viele davon Kinder intuitiv übertreten: „Sprich bitte leise!“ – „Sag nicht iieehh!, wenn Dir etwas nicht schmeckt!“ – „Sitz bitte still“ – „Hör auf, mit dem Besteck auf den Tisch zu trommeln“ …

Und trotzdem: mit Kindern von Zeit zu Zeit essen zu gehen ist wichtig, denn nur so lernen sie, „sich zu benehmen“, d. h. ihre Impulse mit den Anforderungen ihrer Umgebung abzugleichen. Wichtiger noch: sie lernen Genuss. Sie entdecken neue Gerichte außerhalb des Speiseplans der Kita und jenseits des Repertoires, das Mama und Papa wochentags auf die Schnelle auftischen. Und sie lernen Wertschätzung für das Gesamtkunstwerk, das ein Restaurantbesuch ausmacht: der Duft und der Geschmack der Speisen, deren Präsentation auf dem Teller, Service und Ambiente.

Kind + Kegel möchte künftig Restaurants vorstellen, die in den Augen unserer Redaktion alles richtig machen: die große und kleine Gäste willkommen heißen und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse dieser beiden Zielgruppen eingehen. Insofern bedeutet „familiengerecht“ eben nicht nur das Bereitstellen von Infrastruktur wie Hochstuhl,Wickeltisch, Spielecke. Zufriedene Kinder bedeuten entspannnte Eltern bedeuten. Die dann wiederum wegen ihrer als störend empfundenen Kinder nicht hastig und beschämt nach dem Hauptgang aufbrechen, sondern sich vielleicht auch guten Gewissens noch ein Dessert und einen Espresso gönnen.

Kinder sind Teil unseres Lebens und unserer Gesellschaft. Nehmen wir sie wahr und lassen wir sie teilhaben. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, indem wir Euch empfehlen, wo es uns – den Müttern und Vätern des Kind + Kegel-Teams – besonders gut gefallen hat.

Mit Kindern und viel Zeit ins zeitlos
Ungewöhnliches für die Großen, Beschäftigung für die Kleinen: ein Besuch im Restaurant & Café zeitlos ist ein Win-Win für die ganze Familie

Klar, mit Kleinkinden geht man nicht einfach mal so essen. Dann aber gab's eine interessante Ausstellung im Militärhistorischen Museum zu besichtigen, und anschließend wollte ich unsere Oma, die mich und die Kinder begleitete, gerne zum Essen einladen. Was lag also buchstäblich näher, als das Restaurant unter dem selben Dach? Zunächst waren wir gespannt, ob ein Restaurant in so einem historischen Gemäuer nicht überwältigend wirken würde. Das Gegenteil war der Fall: die Anordnung der Tische und Stühle nutzt die Gegebenheiten des Raumes bestmöglich aus. Endlich mal ein Restaurant, in dem man der Partei am Nebentisch nicht quasi auf dem Schoß sitzt. Mit Kindern bedeutet das sofortiges Aufatmen, weil man nicht ständig um die Lautstärke in superintimer Atmosphäre besorgt sein müsste. Und was die Ausmaße des Raumes betrifft, wurde mittels verschiedener Sitzgruppen die Dimensionen der Räumlichkeit in gemütliche Bereiche untergliedert, so zum Beispiel die Loungesessel mit den Couchtischen, die locker um den Säulenwald herum gruppiert sind. Auch für Familienfeiern ist der Raum bestens geeignet: es gibt genügend Platz, ohne dass man in einen Nebenraum ausweichen müsste.

In punkto Ausstattung gibt es für die Kinder Hochstühle (und zwar nicht vom Möbelschweden, sondern aus schönem, zur restlichen Bestuhlung passenden Holz) und sogar Lätzchen (die wir immer mitzubringen vergessen).

Kommen wir zum Wichtigsten: dem Essen. Als Mutter sagte mir an der Kinderspeisekarte gleich zu, dass man solide Kinderklassiker mit einem Touch ins Gesunde vorfindet, z. B. Vollkornnudeln oder Dinkelpfannkuchen. Eine coole Idee, die ich so noch auf keiner anderen Kinderspeisekarte enteckt habe: die Käsewürfel mit frischem Obst der Saison, die meine Kinder als eine Vorspeise zur Überbrückung der Wartezeit bis zum Hauptgang wegnaschen.

Doch wir Erwachsenen sind ja auch noch da, und angesichts der Gerichte auf der Speisekarte läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Wir entscheiden uns für „Lauwarmen Salat von winterlichem Gemüse aus Radebeul an gebackenen Maisplätzchen und Sesam-Dip“ sowie „Zarten Sauerbraten aus der Thiendorfer Hirschkeule mit Rahmwirsing und hausgemachten sächsischen Wickelknödeln“. Es gibt gar nicht viel zu sagen, außer, dass es sogut schmeckt, wie es sich liest. Offenbar sind im Restaurant zeitlos angesagte Trends wie Regionalität und Saisonalalität eben keine bloßen Lippenbekenntnisse. Die Küche kennt ihre Lieferanten und deren Produkte und weiß bestens damit umzugehen. Das trifft sowohl auf den Garpunkt von Fleisch und Fisch zu, als auch auf die Zubereitung von Gemüse, das dieses über den Rang einer Beilage heraushebt.

In guter Erinnerung bleibt auch der freundliche Service seitens der Bedienung, die sich weder durch die Extrawünsche der Kinder noch durch Limonadenpfützen aus der Ruhe bringen lässt. Apropos Ruhe: ungemein den Hausfrieden befördernd wirkt auch, dass man bei guten Wetter vor die Tür gehen und sich auf der Freifläche vor dem Museum mit ihrem Rasen, den Treppen und der Rampe austoben kann. Es wird garantiert keiner meckern.

Und so gab es sogar vor nicht allzu langer Zeit ein zweites Mal, diesmal mit Mann und Kindern am zweiten Weihnachtsfeiertag. Während wir entspannten, werkelte das zeitlos-Team emsig hinter den Kulissen, um uns Erwachsene mit einem Weihnachtsmenü aus „Flambierter Camembert vom Ziegenkäse
an geschmorter Birne aus dem Rote Bete Sud, Joghurtparfait, dazu winterliche Salate & hausgebackenes Brot“ und „Zartem Schweinefilet aus Sachsen unter der Lebkuchenkruste, dazu Rahmwirsing mit Roter Bete & hausgemachte Maronenknöpfle“ zu verwöhnen. Offenlegung: als gebürtige Schwäbin bin ich bei süddeutschen Eiertagwaren durchaus parteiisch. Diese Kastanienspätzle waren sowas von besonders und gut gelungen!
Die Kinder (eines mit Windelpo und eines mit Zahnlücke) bekamen zusammen einen ausreichenden Kinderteller Nudeln, und es bestätigte sich mal wieder mein Eindruck, dass für Kinder das Essen an sich einfach nicht im Mittelpunkt steht. Schnell waren sie in Richtung Spielecke abgedüst, wurden nicht gesehen und nicht gehört, bis sie pünktlich zum Nachtisch mit Stiften und Papier an unseren Tisch zurückkehrten, wo sie sich auch weiterhin sehr handzahm verhielten.
Den krönenden Abschluss bildete die „Weihnachtstrilogie: Schneegestöber im Glas; Spekulatiusparfait auf Rumtopfrüchten, geschlagene Sahne & Baiser“ sowie ein „Weißes Schokoladen-Mandelküchlein an Glühweinkirschen mit Sesamkrokant & Schokoladen-Espressosorbet.“ Die Kinder waren von der hauchzarten Hippe in Form eines Eiskristalls verzaubert, während mich der himmlische Duft des Küchleins für die angekündigte Viertelstunde Wartezeit (die in einem Slow-Food-Restaurant mehr als legitim ist) entschädigte.
Wer es gerne weniger opulent mag, findet für den kleinen Hunger und Geldbeutel von 11 bis 18 Uhr auf der Snackkarte kleine, leckere Gerichte wie Sandwich, Ofenkartoffel, Würzfleisch, Baguette, Maisfladen etc.
Das Preis-Leistungsverhältnis ist angesichts des Gebotenen absolut angemessen und auf jeden Fall moderat. Und wenn wir Euch jetzt noch verraten, dass wir insgesamt fast drei Stunden dort waren, wisst Ihr, warum das Restaurant zeitlos heißt! ;)

Tags: Essen mit Kindern , Kinderfreundliches Restaurant Dresden , Zeitlos

Kategorien: Essen gehen mit Kindern , Stadtgespräch , Unterwegs mit Kind