Kaleidoskop

Rollstuhlfahren lernen in der Rollstuhlfahrschule

Sophie Herrmann · 23.10.2017

Dirk Schmidt/Rollstuhlfahrschule

Dirk Schmidt/Rollstuhlfahrschule

Das ADAC Fahrsicherheitstraining kennen und nutzen viele Menschen. Doch wie sieht es eigentlich mit Fahrtraining für den Rollstuhl aus? Hier kommt der INDD e.V. ins Spiel. Der Verein schreibt sich Inklusion in Dresden auf die Fahne und rief daher im Februar 2016 die Rollstuhlfahrschule ins Leben.

Die Idee kam Dirk Schmidt, Leiter der Rollstuhlfahrschule, vor vielen Jahren unterwegs beim einkaufen. „Ich wurde öfter von Eltern mit Kindern im Rollstuhl angesprochen, ob es da was gibt, um das Fahren im Rollstuhl zu erlernen“, erzählt der ehrenamtlich arbeitende Rollifahrer. „Wenn Kinder von Geburt an im Rollstuhl sitzen, gibt es keine wirklichen Reha-Maßnahmen, wie sie beispielsweise nach einem Unfall in Anspruch genommen werden.“ Nach viel Bürokratie und mit Hilfe von Spenden konnten erste Podeste für den Parkour Anfang letzten Jahres fertiggestellt werden. Die Anmeldung für Fahrstunden erfolgt am besten als Klasse oder Gruppe ab fünf Personen.

 

Nicht nur für Rollifahrer

Auf verschiedenen Messen, in Schulen und anderen Einrichtungen wird der vorbereitete Parcours aufgebaut und bietet ein Erlebnis für alle Besucher – auch für Kinder und Erwachsene, die nicht im Rollstuhl sitzen. Dirk ist vielen Kindern bereits bekannt; sobald er mit seinem Auto vorfährt, laden die Kinder, wie selbstverständlich den Anhänger aus, bauen die Utensilien auf und später wieder ab. Er hat mit seiner Idee einen Nerv getroffen: Es gibt viel zu tun und eine Vielzahl an Anfragen aus ganz Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zu bearbeiten. „Die Kinder sind am Anfang oft schüchtern, tauen aber spätestens nach der dritten Runde im Parcours auf und stellen viele Fragen“, weiß er. Generell gibt es keine Altersbegrenzung für die Rollstuhlfahrschule, das Angebot fängt in der ersten Klasse an. „Das Thema Inklusion wird so früh angesprochen, damit auch Berührungsängste früh schwinden können.“ Und falls ein Kind mal ängstlich ist, hilft das Maskottchen des INDD e.V.: ein großer Plüschfrosch.

Die besonderen Reaktionen der Kinder sind ein Zeichen dafür, dass der INDD e.V. mit seinen Projekten viel erreicht und besondere Erlebnisse entstehen lässt. Auch mit seinem Rugby für Rollstuhlfahrer begeistert Dirk immer wieder Eltern und Kinder. „Da man im Stuhl nicht umfallen oder rausfallen kann, ist es möglich, dass eine ganze Familie zusammen spielen und Tore machen kann, selbst wenn ein Kind mehrfach schwerstbehindert ist“, erklärt er. „Das ist der Grund warum wir so etwas überhaupt machen.“

 

Es ist viel geplant

Mittlerweile besteht eine intensive Zusammenarbeit des INDD e.V. mit dem Staatsministerum und seiner „Behindern verhindern“-Kampagne. Langfristig ist eine Rollstuhlsportgruppe für Kinder geplant: Ziel soll hier Rollstuhlrugby sein, da bei dieser Sportart wirklich jeder mitspielen kann. Beim Spielen kann man sich kennenlernen, und auch Kinder, die keine Einschränkungen haben, sind hierbei angesprochen. Dirk möchte „irgendwann die komplette Denkweise ändern – es soll nicht immer nur in eine Richtung, sondern eben auch in die andere gedacht werden.“ (sh)

Mehr Informationen unter: www.inklusionindresden.de | Dirk Schmidt mobil: 0172-3514573;
Mail: dschmidt@inklusionindresden.de

 

Beim Dresdner Behindertensporttag, dem jährlichen Aktionstag des Stadtsportbund Dresden e.V. für Menschen mit Behinderung, wird die Rollstuhlfahrschule und das Rollstuhlrugby für alle angeboten. Dieser findet am 29.10.2017 von 11.00 – 15.00 Uhr in der Margon Arena statt.

Kategorien: Kaleidoskop , Stadtgespräch