Kaleidoskop

#nofilter

Nora Stankewitz (ns) · 02.05.2018

Foto und Layout: Anja Nier

Foto und Layout: Anja Nier

Nein, unsere Autorin hat keine Kinder. Noch nicht. Gerade deshalb macht sie sich so viele Gedanken über das Leben mit Kind. Und bis es soweit ist, schaut sie für uns aus der anderen Perspektive. Denn von da sieht alles manchmal so anders aus.

Erwachsene machen sich gerne Sorgen um den Smartphone-Konsum ihrer Kinder und Kindern im Allgemeinen. Bläulich schimmernd stünden Jugendliche in Bus und Bahn, kein Gesicht mehr zu sehen, kein Augenkontakt mehr. Digitale Monster mit Sehnenscheidenentzündung im Daumen. Und ich würde hier jetzt gerne einen großen Turn machen und sagen: So schlimm ist das doch alles gar nicht. Aber das geht nicht, weil es vielleicht noch schlimmer ist. Weil nicht nur Jugendliche so im Bus stehen, sondern auch ihre Eltern und Erwachsene im Allgemeinen.

Und da sind wir dann auch schon mitten im Problem: Forscher der BLIKK-Studie 2017 kamen zu dem Ergebnis, dass es bei Säuglingen zu Fütter- und Einschlafstörungen kommen kann, wenn die Eltern während der Beschäftigung mit dem Kind digitale Medien nutzen. Auch bei Kita-Kindern, die mit den Smartphones ihrer Eltern spielen, könne es zu motorischer Hyperaktivität, Konzentrations- und Sprachentwicklungsstörungen kommen. Sogar ein höherer BMI und der Konsum von Süßigkeiten stehen in Wechselwirkung mit der Nutzung digitaler Medien. Das ist hart.

Wenn Sie sich jetzt bestätigt fühlen und Ihrem Kind sofort alle Medientechnik verbieten wollen und es nur noch  rausschicken, damit es einem Ball hinterherrennt, ist niemandem geholfen. Das Zauberwort heißt „Medienkompetenz“. Wahrscheinlich wird es bald Unwort des Jahres, weil es einfach so oft verwendet wird, und doch interessiert es keinen so wirklich. Kinder sollen Medienkompetenz in der Schule lernen. Da, wo Frau Müllermeierschmidt noch immer den Polylux von einem Schüler bedienen lässt. Mal ganz abgesehen davon, dass die Schule auch mit medienkompetentem Personal nicht alleine dafür verantwortlich ist, Jugendlichen einen guten Umgang mit den digitalen Möglichkeiten beizubringen, sollten wir alle nicht darauf warten, dass die groß angekündigte Digitalisierung der Schulen endlich so richtig steil geht.

Wir sollten uns selbst damit auseinandersetzen. Egal, ob wir nun Kinder haben oder nicht. Und mit Auseinandersetzen meine ich nicht nur, zu wissen, dass alles, was ich auf Facebook lade, dann auch Facebook gehört. Es geht darum, uns selbst und damit auch unseren Kindern beizubringen, wie wir die grandiosen Möglichkeiten der digitalen Medien sinnvoll nutzen zu können, ohne dabei Familie, Freunde und Zeit im Grünen zu vergessen. Vielleicht geht es auch darum, diese schönen Offline-Zeiten für uns zu behalten und nicht hinterher aller Welt online zu präsentieren mit Filter und #lebensweisheiten. Einfach ein kleines Geheimnis haben, sowas wie Privatsphäre!?

Wissen Sie, was ich seit einigen Monaten mache? Jede Busfahrt ist jetzt metime, aber ohne Hashtag. Ich schaue nicht auf mein Smartphone, sondern auf all das, was an mir vorbeifährt. Ich schaue in Gesichter und lächle manchmal sogar. Das ist wirklich ganz nett.

Tags: Generation Smartphone , Internet und Kinder , Kinder und Medien , Mediennutzung , metime

Kategorien: Kaleidoskop