Kaleidoskop

Nachgefragt bei Karen Trepte

Nora Stankewitz (ns) · 09.05.2018

Foto: Daniela Kreißig

Foto: Daniela Kreißig

Karen Trepte ist jung, weiblich und erfolgreiche Unternehmerin. Zusammen mit ihrem Bruder hat sie vor fünf Jahren das SteinReich zum Leben erweckt. Für das erfolgreiche Modell einer regional geprägten, bildungsnahen Erlebniswelt wurde sie kürzlich mit dem ADELIE-Preis ausgezeichnet. Mit uns hat sie über Spaß an Bildung, Phantasie und das Unternehmerinnen-Sein gesprochen.

Erst vor wenigen Wochen sind Sie und Ihr Team in die sechste SteinReich-Saison gestartet. Ist das jetzt schon Routine?

Eine wirkliche Routine gibt es nicht. Wir versuchen, so gut wie möglich auf jeden Gast individuell einzugehen. Natürlich gibt es bestimmte Dinge, die bei der Vorbereitung einer Saison einfach dazu gehören: Von kleinen Reparaturen und Renovierungen über neue schöne Dinge für unseren Shop bis hin zur neuen Speisekarte fürs Frühjahr. Aber nach unserer kurzen Winterpause ist es für uns einfach schön, in den Frühling zu starten, unser Tor zu öffnen und neue, interessierte Gäste begrüßen zu dürfen. Schulklassen können bei Ihnen im SteinReich viel über die Geschichte der Region lernen, sich mit der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt vertraut machen.

Warum finden Sie das wichtig?

Ich finde es wichtig, dass man sich mit der eigenen Geschichte, Herkunft und besonderen Ereignissen aus seiner Heimat auseinandersetzt, denn das ist gelebte Geschichte. Ich fand es als Schülerin immer schade, zwar viel über z.B. Napoleon zu lernen, aber eben nie zu erfahren, dass der auch Dresden in eine große Schlacht gestürzt und auf der
Festung Königstein gestanden hat. Es war immer nur von der Völkerschlacht die Rede. Ich denke, dass solche Ereignisse, Menschen und Geschichten uns die Vergangenheit viel näher bringen können und Geschichte lebendig machen. Und die Tiere und Pflanzen gehören einfach zu unserer natürlichen Umgebung. Wir liegen am Tor zur Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz, sind NationalparkPartner und möchten den Kindern vermitteln, wie wichtig es ist, unsere Natur zu achten.

Von Schatzsuche bis Kräuterhexe: Für welches Schulklassenprogramm haben Sie die größte Nachfrage? Und können Sie erklären, warum?

Unser Kräuterthema wird sehr gut nachgefragt, genauso wie das Märchenthema. Das liegt zum einen natürlich am Lehrplan der Grundschule, nach dem wir uns mit unserem pädagogischen Programm richten, aber letztlich auch an der kreativen Lernumgebung, die das SteinReich bietet. Es ist etwas anderes, wenn nicht nur der eigene Lehrer den Kindern Wissen an die Hand gibt, sondern Interessantes auf einer anderen Ebene von einem Außenstehenden vermittelt wird.

Was sagen die Lehrer und Eltern zu Ihrem Bildungsprogramm? Bekommen Sie Feedback?

Wir haben Schulen, die seit mehreren Jahren immer wieder zu uns kommen. Deshalb denke ich, dass wir unsere Sache
gut machen. Für die Lehrer ist es ja auch mal eine Gelegenheit, ihre Schüler aus einer anderen Perspektive zu sehen und zu schauen, wie sich „Kollegen“ verschiedenen Themen annähern. Mir persönlich macht es einfach riesigen Spaß, mit den Kindern zu arbeiten. In der Grundschule sind die meisten von ihnen noch sehr wissbegierig und Neuem gegenüber aufgeschlossen. Ein Ausflug ins SteinReich bietet auch den Kindern eine Auszeit vom Schulalltag, wobei trotzdem Wissen vermittelt wird, aber eben auf eine ungewöhnliche Art und Weise.

In allen Programmangeboten und in der gesamten Erlebniswelt spielt die eigene Phantasie eine große Rolle. Haben Sie das von Anfang an so geplant? Warum?

Phantasie ist enorm wichtig für uns Menschen. Ich denke, dass die heute viel zu kurz kommt in unserem Leben, auch bei Kindern, aber natürlich vor allem bei Erwachsenen. Fragen Sie mal jemanden nach den Schildern an unseren Toiletten: Ich wette, fast jedes Kind kann Ihnen sagen, was bzw. wer darauf zu sehen ist, aber kaum ein Erwachsener.
Und trotzdem ist Phantasie bzw. sind tolle Ideen heute mehr denn je gefragt, z.B. in unserer Arbeitswelt, denn das ist genau das, was uns von Maschinen unterscheidet und was meiner Meinung nach in Zukunft noch wichtiger sein wird, als bisher. Um damit auf Ihre Frage zu antworten: Ja, das war von Anfang an so geplant. Wir wollten ein Gegenstück zur technisierten Welt schaffen, die uns im Alltag umgibt, eine Art Märchenreich für alle Sinne.

Im März wurden Sie für Ihre Arbeit mit dem Dresdner Unternehmerinnen-Preis ADELIE ausgezeichnet. Geld gibt es keins, dafür Coaching- Stunden. Welchen unternehmerischen Input erwarten Sie und welche Herausforderungen gilt es, für Sie mit dem SteinReich noch zu bewältigen?

Ich habe mich riesig über den Preis gefreut, das war eine große Überraschung für mich, und ich kann den Input gut gebrauchen. Nach fünf Jahren am Markt verliert man einfach leicht den Blick von Außen aufs große Ganze. Da erhoffe ich mir, mit den Coaches genau diesen Schritt zurück zu machen, um die richtigen Ideen für die Zukunft entwickeln
zu können. Ideen haben wir viele, aber mit Hilfe von Experten kann man verschiedene Szenarien durchspielen und schauen, was am besten passt. Herausforderungen gibt es täglich jede Menge, aber für uns ist es wichtig, uns in den nächsten Jahren mit tollen frischen Ideen fest am Markt zu etablieren, um uns und unseren Mitarbeitern eine Zukunft bieten zu können. Daran arbeite ich jeden Tag hart, denn wir sind als Team wie eine Familie, und jeder einzelne gibt sein Bestes, um das „Erbe“ meines Opas würdig zu gestalten und unseren Gästen ein besonderes Erlebnis zu schenken.

An der Tankstelle 3
01848 Hohnstein OT Rathewalde

035975 / 843396

Tags: Adelie Award , Erlebniswelt , SteinReich , Wohin mit Kind

Kategorien: Kaleidoskop , Stadtgespräch , Unterwegs mit Kind