Kaleidoskop

Kalli und Karla hinter den Kulissen

Sophie Herrmann (sh) · 12.04.2018

Illustration: Robert Reinhold

Illustration: Robert Reinhold

Endlich ist es soweit! Wie ihr schon erfahren habt, sind wir zum Glück nicht mehr namenlos! Und es  kommt noch besser. Wir dürfen für euch auf Entdeckungsreise gehen. Weil wir so schrecklich neugierig und wissensdurstig sind, werden wir in kommenden Ausgaben tolle Dinge hinterfragen und erklären – extra für Kinder.

Unsere erste Reise ging in die Porzellan-Manufaktur nach Meißen, denn wir haben uns gefragt: Wie wird eigentlich eine Porzellanfigur hergestellt?

Es war einmal...
... August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen. Er gab Anfang des 18. Jahrhunderts in Auftrag, das Herstellungsgeheimnis von Porzellan zu lüften. Johann Friedrich Böttger entdeckte 1708 zusammen mit seinen Kollegen als Erster in Europa die Rezeptur. Sie fanden heraus, dass sich aus Feldspat, Kaolin und Quarz Porzellan herstellen lässt. Das Kaolin wird ganz in der Nähe der Manufaktur Meissen im kleinsten Bergwerk Europas abgebaut und zaubert das  Porzellan später so wunderbar weiß.

Eine Figur aus Meissener Porzellan entsteht
Schritt für Schritt in der Manufaktur:

1. Der Former

Foto: Sophie Herrmann


Am Anfang schauen wir dem Former über die Schulter. Hier beginnt die Herstellung der Figur. Für jede Figur gibt es eigene Formen aus Gips, die der Modellbauer herstellt. In diese Formen wird die Porzellanmasse hineingedrückt und danach fest zusammengepresst. Wir warten eine halbe Stunde und sehen dann, wie der Former die getrockneten
Einzelteile herausnimmt.


2. Der Bossierer oder Modelleur

Foto: Sophie Herrmann


Der Bossierer passt darauf auf, dass alle Einzelteile schön glatt sind und fügt sie zusammen. Dafür werden sie mit dem Schlicker bestrichen, das ist flüssige Porzellanmasse. Jetzt kann die Figur an der Luft trocknen. Danach wird sie beim sogenannten Glühbrand bei 950 Grad Celsius gebrannt. Das Tonmodell hat nun hat eine braune Farbe und ist noch sehr zerbrechlich.


3. Das Markenzeichen

Foto: Sophie Herrmann


So nennt man etwas, das typisch für eine Person oder ein Produkt ist. Kallis Markenzeichen ist zum Beispiel seine  Mütze. Bei der Manufaktur sind es gekreuzte Schwerter. Diese werden auf jedes Teil aus Porzellan
gemalt, das die Fabrik verlässt.


4. Der Glattbrand

Foto: Sophie Herrmann


Die Figur wird jetzt mit einer flüssigen Glasur besprüht und bei 1400 Grad Celsius gebrannt. Wir staunen, als sie nach  dem Brennen vor uns steht: Die Figur ist nach dem zweiten Brand fast einen ganzen Kopf kleiner als davor. Und sie ist nun strahlend weiß und hart.


5. Der Maler

Foto: Sophie Herrmann


Am Schluss bekommt die Figur ihre tollen Farben. Dafür wird auf einer Glasplatte Farbpulver und Terpentinöl gemischt. Der Maler arbeitet sich von oben nach unten. Damit die Farbe auch richtig hält, muss die Figur zum dritten Mal zum Brennen. Nach dem Brand werden die goldenen Stellen poliert, damit sie schön glänzen. Jetzt steht eine fertige Figur vor uns.

Unser Tipp: Am 27. (12–17 Uhr) und
28. April (10–17 Uhr) ist Tag der offenen
Tür in der Manufaktur in Meissen.
Hier könnt ihr selbst hinter die Kulissen
blicken und sogar einmal mit Hilfe von
Profis modellieren und zeichnen!
Info für Eltern: Keine Anmeldung notwendig
und der Eintritt ist kostenfrei

Tags: Hinter die Kulissen geschaut , Meissner Porzellan-Manufaktur , Porzellan , Porzellanmalerei

Kategorien: Kaleidoskop , Unterwegs mit Kind , Lesen // Hören // Sehen