Kaleidoskop

GPS-Tracker für Kinder

Maria Grahl (mg) · 28.09.2017

Bild: Weenect

Bild: Weenect

In den letzten Jahren sind Smart-Watches oder andere Geräte zum Tracken unserer Kinder wie Pilze aus dem Boden geschossen. Mittels GPS-Signal senden die kleinen Computer den Standort des Kindes an das Smartphone der Eltern. Dazu bedarf es lediglich einer SIM-Card, die in den Geräten meist schon vorinstalliert ist und durch verschiedene Tarif-Angebote aufgeladen bzw. mit Guthaben bestückt werden können.

Dies ermöglicht neben der Standortbestimmung sogar ein SMS schreiben oder Telefonieren mit dem Gerät. Die Hersteller preisen die Vorteile der Tracker an: Das Kind kann nicht verloren gehen, selbst auf einem überfüllten Jahrmarkt würde man es schnell wiederfinden. Haben die Kinder ein Problem, können sie dank der verschiedenen Notruf-/Telefonangebote, umgehend die Eltern informieren. Das kann z.B. sehr nützlich sein, wenn es mit dem Fahrrad gestürzt ist und Hilfe benötigt – oder aber, worst case, gekidnapped wird. Mit Horrorvorstellungen wie diesen, treffen die Hersteller einen Nerv. Eltern machen sich zunehmend Sorgen, dass ihren Kindern auf dem Schulweg oder beim Spielen in Wald und Feld, etwas Schlimmes zustoßen könnte. Da muss man noch nicht einmal zur berühmtberüchtigten Gattung der Helikoptereltern zählen. Sich um seinen Nachwuchs zu Sorgen, ist völlig normal und wird uns mit der Geburt als zusätzliche Ausstattung mit in die Wiege gelegt. Wie wir mit dieser Sorge umgehen, ist von Mensch zu Mensch verschieden und nicht zuletzt auch von persönlich gemachten Erfahrungen geprägt.

Ist es also in Ordnung, unsere Kinder mit so viel Technik wie möglich auszustatten, um eine permanente und flächendeckende Überwachung zu gewährleisten? Oder ist es übertrieben und zeigt wieder einmal, dass wir unseren Kids gar nichts mehr zutrauen? Kind + Kegel findet: Die Dosis macht das Gift und auf den Einsatz kommt es an.

Welche Vorteile GPS-Tracker mit Kontaktfunktion haben:
1. Es ist kein Gefühl, sondern traurige Realität: Kinder haben heute weniger Freiräume als früher. Die Angst, dass etwas passieren könnte, ist einfach zu groß. So werden auch Viertklässler noch in die Schule gebracht und Eltern sitzen am Spielplatzrand, um das Treiben ihrer Kinder, die schon längst allein spielen könnten, zu überwachen. Mit 6 alleine zum Bäcker gehen und Brötchen holen? Heutzutage ist das viiiiel zu gefährlich.

Die Tracker können den Eltern Sicherheit vermitteln. Wenn das dazu beiträgt, dass den Kindern mehr Freiraum eingeräumt wird, begrüßen wir die technische Neuerung.

2. Es ist ja doch ganz praktisch, wenn die Kinder uns in einem (auch kleinerem) Notfall kontaktieren können. Viele Grundschüler sind deswegen heute mit Handys oder Smartphones ausgestattet.

Ein Smartphone ist erstens teurer in der Anschaffung und im Unterhalt. Zweitens birgt das Internet, auf das sie so leicht zugreifen können, ebenfalls verschiedene Risiken. Mit dem Tracker mit Kontaktfunktion (Kosten pro Monat zwischen 3 und 7 Euro), ist auch wirklich nur das Telefonieren oder Schreiben mit den Eltern möglich.

Welche Nachteile gibt es?
Hier kommen wir wieder zur Dosis, die das Gift macht. Wer den Tracker nutzt, um zu überprüfen, ob der 13-jährige Spross auch wirklich zu Freundin XY geht und nicht doch bei Freund Z übernachtet, hat den Bogen eventuell überspannt. Trotz aller scheinbaren Sicherheit, die uns Tracker vermitteln können, sollten wir auch den Kontakt zu unseren Kindern nicht verlieren und gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Eine komplette Überwachung ist weder gut für uns Eltern, noch für die freie Entwicklung unserer Kinder. Ein Tracker sollte daher immer nur als Übergangslösung angesehen werden.

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