Kaleidoskop

FAQ: Fakten zu Mythen

Maria Grahl (mg) · 05.02.2018

Emils Geschichte zeigt, wie aufwühlend der Bildungsweg für die ganze Familie sein kann. Unter Eltern mit einem  Viertklässler gibt es kaum ein anderes Thema, als das der weiterführenden Schulen. Kind+Kegel hat sich umgehört und nachgefragt: Wir wollten von unseren Lesern wissen, was sie interessiert. Dabei ist uns aufgefallen, dass sich um das Thema Schule zahlreiche Mythen und Irrtümer ranken. Wir haben diese Fragen Petra Nikolov, der Pressereferentin des Landesamtes für Schule und Bildung Dresden, gezeigt und beantworten lassen.

Wenn jetzt jeder sein Kind an ein Gymnasium schicken kann, wird es dort sicherlich noch voller.

Petra Nikolov: Diese Befürchtung hatten wir letztes Jahr auch. Tatsächlich lag die Quote derjeniger, die ohne die entsprechende Empfehlung an ein Gymnasiums wechselten, in Dresden bei nur 1,5 Prozent. 45 Jungen und 42 Mädchen ließen letztes Jahr ihre Leistung überprüfen und nahmen das Beratungsgespräch mit der Leitung des Gymnasiums wahr. Danach blieben 78 Kinder übrig, die „trotzdem“ auf das Gymnasium wechselten. Von einem Run kann also keine Rede sein.

Mit dem weiteren Test des sog. Leistungsfestellungsverfahrens kommt nur wieder eine weitere Prüfung auf mein Kind zu und es steht wieder unter Druck. Was, wenn es in diesem Test versagt?

Petra Nikolov: Die Ergebnisse des Tests sind nicht relevant für die Entscheidung der Eltern. Mit dem Test, der von jeder Schule individuell erstellt wird, möchte das Gymnasium lediglich prüfen, wie der Leistungsstand des Kindes ist. Außerdem ist er für das dann folgende Beratungsgespräch nützlich.

Sicherlich werden Kinder, die keine Bildungsempfehlung für das Gymnasium bekommen haben, an der Wunschschule nicht berücksichtigt und an eine andere Schule „umgelenkt“.

Petra Nikolov: Die Kriterien zur Aufnahme eines Schülers legt jede  Schule selbst fest. In der Regel sind diese Härtefälle, die Berücksichtigung von Geschwisterkindern, Wohnortnähe oder das Zufallsprinzip (Losverfahren). Dieses Auswahlverfahren muss rechtssicher sein.
Nach Noten dürfen weiterführende Schulen aber nicht auswählen, da hier keine Gleichbehandlung gegeben wäre. Grundschulen legen beispielsweise verschiedene Maßstäbe an, bis wann es die Note 1 gibt. Die Staffelung reicht von 100 bis 95 Prozent und hat zur Folge, dass an einigen Grundschulen leichter ein besserer Schnitt erreicht werden kann.

Ich habe gehört, dass Grundschulen dazu angehalten sind, die Quote der Schüler, die auf's Gymnasium wechseln, auf 30 – 40 Prozent zu senken.

Petra Nikolov: Nein, das ist Quatsch. Tatsächlich gibt es zwar Grundschulen, die eine recht hohe Quote an  Bildungsempfehlungen für's Gymnasium aussprechen und dort muss dann genauer hingeschaut werden, wie die  Bewertungsmaßstäbe sind. Denn eine Quote von 90 Prozent erscheint auch mir unrealistisch. So etwas ist aber die absolute Ausnahme. An den meisten anderen Grundschulen liegt die Quote für das Gymnasium seit Jahren konstant bei etwas unter 50 Prozent.

Ich wohne direkt neben einer weiterführenden Schule, befürchte aber trotz der Nähe, dort keinen Platz zu bekommen.

Petra Nikolov: Das kann durchaus passieren, je nach dem, wie die Auswahlkriterien der jeweiligen Schule sind. Gibt es mehr Anmeldungen als Kapazitäten, kann das Kind an eine andere Schule umgelenkt werden. Hier gilt ein zumutbarer Schulweg von 60 Minuten pro Strecke. Das klingt für viele Eltern hart, ist aber vom Gesetzgeber so festgelegt.



Tags: Bildungsempfehlung , Gymnasium oder Oberschule , Landesamt für Schule und Bildung , Schule , Schulweg

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