Kaleidoskop

Aus dem Nähkästchen geplaudert // Das Stollenmädchen

Maria Grahl · 21.12.2018

Lina Trepte ist das junge Gesicht des Dresdner Stollenbackhandwerks. Als 24. Dresdner Stollenmädchen repräsentiert die 18-Jährige die Dresdner Stollenbäcker und ihr Produkt – den Dresdner Christstollen. Als Schirmherrin des Dresdner Stollenfestes gibt sie alljährlich den Startschuss zum Backen des Riesenstollens und eröffnet das große Fest am Samstag vor dem 2. Advent. Doch wie wird man eigentlich Stollenmädchen? Kind+Kegel hat nachgefragt.

Wie bist du Stollenmädchen geworden?

Es gibt einen Schutzverband, in dem alle Dresdner Stollenbäcker Mitglied sind. Das ist ungefähr so, wie in einem Fußballverein. Und der Verband, also der Vorstand, wählt dann jedes Jahr ein Dresdner Stollenmädchen. Als Stollenmädchen muss man in der Berufsschule lernen und eine Ausbildung als Konditorin, Bäckerin oder Verkäuferin in einem der Mitgliedsbetriebe des Verbandes machen. Im Auswahlverfahren gibt es einen Wissenstest, den man bestehen muss, es wird ein Interview geführt und Fotos werden gemacht. Schließlich wählt der Vorstand des Stollenschutzverbandes aus allen Bewerberinnen das Dresdner Stollenmädchen aus.

Und was genau macht ein Stollenmädchen? Wie sieht dein Tag bzw. deine Woche aus?

Meine Aufgabe ist es, für den Original Dresdner Christstollen Werbung zu machen und all denen, die unseren Stollen noch nicht kennen zu erklären, was das genau ist. Jetzt in der Weihnachtszeit bin ich dafür auf Messen, Weihnachtsmärkten und noch vielen anderen Veranstaltungen unterwegs.

Was hast du gemacht, bevor du Stollenmädchen wurdest?

Ich bin Auszubildende als Bäckereifachverkäuferin im 3. Lehrjahr. Ich lerne in der Feinbäckerei meiner Eltern in Radebeul.

Was ist dein Leibgericht?

Also so direkt ein Leibgericht habe ich nicht. Aber ich mag am liebsten süße Dinge. In der Weihnachtszeit kann ich nie genug von Keksen, Lebkuchen und natürlich Stollen bekommen.

Warum gibt es nur Stollenmädchen? Wünschst du dir manchmal einen Stollenjungen?

Das würde sicherlich eine gute und auch lustige Kombination geben. Das könnte ich mir gut vorstellen. Ich werde das mal vorschlagen.

Was machst du im Sommer, wenn kein Stollen gebacken, gekauft und gegessen wird?

Vor allem viel Eis essen und in den Urlaub fahren. Ab August bereitet man sich dann schon wieder darauf vor, dass ja im Prinzip gleich Weihnachten ist.

Wie weit musst du reisen, um den Stollen vorzustellen?

Das Weiteste war bis jetzt nach Frankfurt am Main, wo der Dresdner Christstollen bereits zum 3. Mal zu den deutschen Marken des Jahrhunderts gewählt wurde. Mal gucken ob die Weite noch getoppt werden kann.

Hast du dir das Kleid, das du immer trägst, selbst ausgesucht?

Das Kleid wurde bereits schon vor ein paar Jahren für die anderen Stollenmädchen von einer Kostümbildnerin entworfen. Aber ich finde es super. Es passt perfekt und ist unglaublich handlich.

Was kannst du Kindern raten, die selbst gern einmal Stollen backen wollen?

Also wer auf dem Striezelmarkt unterwegs ist, der kann definitiv mal in die Schaubackstube reinschnuppern. Dort zeigen echte Dresdner Stollenbäcker, wie man einen Dresdner Stollen bäckt und in der Weihnachtsbäckerei, die ebenfalls auf dem Markt ist, kann man Plätzchen backen. Dort werde ich sicher auch mal mithelfen.

Was für ein Geheimnis verbirgt sich im Riesenstollenkarton?

Im Riesenstollenkarton ist das kleinste Dresdner Stollen-Museum der Welt. Da kann man jede Menge interessante und wissenswerte Dinge über unseren Dresdner Stollen erfahren.

100 Geheimnisse verbergen sich in verschiedenen Stollen ... Was ist deine Lieblingsgeheimzutat, wenn du Stollen bäckst, die du unseren Lesern exklusiv verraten würdest?

Wenn ich jetzt mein Geheimnis verrate, ist es ja kein Geheimnis mehr ... Ich würde sagen die richtige Mischung macht's. Jede einzelne Zutat ist für sich selbst exklusiv, aber alles in einem zusammen ... das ergibt einfach einen gelungenen Stollen. Ach so und wichtig sind Herz und Handwerk – dann wird ein Stollen perfekt.

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